Scuola Sub M&M, die Tauchbasis im Süden von Sardinien

Berichte/Geschichten

Es war der 21. Oktober 1995. Wir waren, wie so oft mit der Bundeswehr in Decimomannu, um mit unseren Tornado- Jagdbombern der Luftwaffe bei Sardinien zu üben. Das Arbeitsaufkommenin diesenvierzehn Tagen hier auf der Insel ist während der Woche sehr hoch. Die Piloten müssen bestimmte Vorgaben in eben dieser Zeit erfüllen. Daher werden oft Überstunden gearbeitet, um die Flugzeuge dafür klar zu bekommen.

Das Wochenende jedoch entschädigt für die Strapazen während der Woche auf dem Flugplatz von Decimomannu. Traditionsgemäß verbringen einige Kommandoteilnehmer die Wochenenden bei Manni an der Tauchbasis. Auch ich verbrachte nun schon mehrere Wochenden hier und war zu dieser Zeit schon langsam auf dem Sprung in den Sommermonaten bei Manni als "Assistent" anzuheuern.

 

An diesem Tage sollte ein letzter Tauchgang stattfinden. Da der Tauchbetrieb bis weit in den Nachmittag hinein statt gefunden hatte, war es schon etwas später geworden, als wir in den Abendhimmeldes Oktobers hinein fuhren. Die Sonne hatte ihren Höchststand schon lange hinter sich gelassen und die letzten Sonnenstrahlen des Tages spiegelten sich auf der Meeresoberfläche. Manni hatte daran gedacht ein paar Flaschen Ichnusa "Decobier" für nach dem Tauchgang mit auf das Schlauchboot zu nehmen (es war ja, wie schon vorher erwähnt der letzte des Tages).

 

 

 

 

 

Als Tauchspot hatte Manni das Wrack der Loredan (damals noch Loredan, heute Isonzo) ausgewählt. Wir waren lediglich zu Dritt auf dem Schlauchboot, Manni, Klaus (ein Tornadopilot) und ich. Es war einer meiner ersten Tauchgänge an der Isonzo. Wie immer dort, muss ein "Haubentaucher" nach Erreichen des durch natürliche Navigation gefundenen Punktes, die Bootsleine mit einer auf ca. 5m Wassertiefe befindlichen Leine verbinden. Dazu spingt der Haubentaucher ins Wasser (ohne Pressluftflasche) und holt die Bojenleine an die Wasseroberfläche. Hier wird diese dann mit der Bootsleine verbunden. Ich war an diesem Tage, wie so oft, als Haubentaucher auserkohren worden. Das Heraufholen der Bojenleine hat beim ersten Anlauf funktioniert (das war nicht immer so). Anschließend kletterte ich zurück ins Schlauchboot, um meine komplette Tauchausrüstung anzulegen.

 

Manni hielt noch ein kurzes Briefing (das komplette Briefing für diesen Tauchspot wurde, wie immer schon auf der Basis an einem Modell des Wracks gehalten gehalten). Da es sich hier um einen besonderen Tauchgang und auch um eine besondere Tiefe handelt gelten hier auch besondere Regeln. Eine davon ist, sowohl beim Abstieg, als auch beim Aufstieg stetz die Leine in der Hand zu behalten. Diese Leine ist in ca. 43m Tiefe am obersten Punkt des Wracks befestigt.

 

 

 

 

Nun war, nachdem wir auch noch einmal gegenseitig die Ausrüstung überprüft hatten alles fertig zum Abtauchen. Wir gingen also mit der Leine in der Hand ins tiefe dunkle blau. Bei etwa 25m Wassertiefe waren dann auch die ersten Umrisse des auf 57m Tiefe liegenden Kolosses zu sehen. Dies ist ein Augenblick, der mir bis zuletzt immernoch kurz den Atem stocken ließ. Imposant liegt der riesige Schiffskörper auf der rechten Seite im Sand. Die Deckaufbauten mit der damals noch befindlichen Brücke waren genau zu erkennen (seit 1999 abgebrochen und liegt neben dem Wrack auf dem Meereboden). Die Reste der Reling ragten ins Blau des Mittelmeeres hinaus und hob sich von dem hellen Sanduntergrund ein wenig ab.

 

Unsere Tour heute sollte ans Heck der Isonzo führen. Das bedeutet, dass man die Leine auf der seitlichen Bordwand des Wracks los läßt und bei nicht vorhandener Strömung auf der Seitenwand bis hin zum Heck taucht. Jedoch sollte man zuerst einmal einen Blick in Richtung des Hecks werfen, da hier ein riesiger Zackenbarsch lebt. Entdeckt dieser jedoch die ersten Taucher nimmt er sofort Reißaus. Leider hatten wir an dieser Stelle heute kein Glück, der Fisch war nicht da.
Am Heck angelangt, haben wir dann einen Blick in das riesige Loch geworfen. Hier ist bei der Versenkung des Schiffs 1943 der Torpedo eingeschlagen.
Im weiteren verlauf des Tauchgangs geht man, soweit alles ok ist ein wenig tiefer und betaucht die Schiffsaufbauten des Hecks. Es ist an dieser Stelle einfach, einen Blick in die riesigen Laderäume zu werfen. Auch entdeckt man hier in einer Luke den Waschraum des Schiffs. Die Waschbecken sind noch genau zu erkennen. Die Rückrunde führte uns dann am ehemaligen Rest des Schornsteins vorbei bis zur Schiffsmitte. An jenem Punkt befindet sich die Leine, welche an eine an der Oberfläche befindlichen Boje führt. An der Leine angekommen, nahmen wir diese wieder in die Hand und begannen den Aufstieg. Da es sich bei diesem Tauchgang um einen Decotauchgang handelt, stoppten wir dann bei ca. 6m Wassertiefe, um unsere Zeit hier auszusitzen und auch den anschließenden Sicherheitsstop hier zu machen.

 

 

 

 

Wir Drei hingen also wie an einer Perlenschnur aufgereiht an der Leine und warteten. In diesem Moment hat man ja genug Zeit um sich ein paar Gedanken zu machen und um im tiefen Blau des Meeres umher zu schauen. Meine Gedanken kreisten in diesem Moment um die auf dem Boot befindlichen kalten Flaschen Ichnusa. Man dehydriert schon sehr beim Tauchen.

Als ich so die Gegend um mich herum betrachtete, sah ich ihn plötzlich. Eine große graue Gestalt, wie man sie so oft im Fernsehen oder auf Bildern betrachtete. Tiefenrausch? Nein. Ich befinde mich in 6m Tiefe. Es ist wirklich wahr, hier im Mittelmeer kommt ein zeimlich großer Hai auf uns zugeschwommen. Ich also sofort an der Leine eine Etage höher, mit dem Kopf neben Manni, der hatte das Tier noch nicht gesehen. Ich zeigte auf den Hai und dann kam Mannis eindeutige Reaktion. (so ähnlich wie die Italiener mit den Händen gestikulieren, wenn Sie jemanden etwas fragen möchten). Nun wußte ich, dies ist wiklich ein Hai. Ich schaute nach unten und suchte Klaus, der befand sich jetzt aber auch schon direkt neben uns und hatte den Hai auch schon gesehen. Nun hingen wir also hier am Seil, nicht mehr aufgereiht wie an einer Perlenschnur, wir hingen nebeneinander wie in einem Kläuel. Hat da jemand doch ein komisches Gefühl bekommen, als der Hai auf uns zu kam und suchte die Nähe der anderen Taucher?

Die Vorstellung war aber auch von nur kurzer Dauer. In dem Moment als wir Drei (ich glaube ziemlich heftig) ausatmeten und der Hai die Luftblasen sah, machte der sich in das Blau des Meeres aus dem Staub. Doch, dies war eine sehr schöne Begegnung. Vor Allem, da man im Mittelmeer nicht gerade mit einem solchen großen Hai rechnet. Über die tatsächliche Größe kann ich eigentlich im Nachhinein nicht allzuviel Genaues sagen. Ich hatte schon den Eindruck, dass die Ausmaße den eines Menschen entsprechen. Ich lasse mich von den anderen zwei Kameraden aber gerne belehren.

Unsere "Restdeco" verlief dann aber auch schon wie im Fluge und wir konnten endlich auftauchen und ins Boot klettern. Dort oben angelangt, kamen uns Dreien anfangs nur Sprüche wie boahhh, toll usw. über die Lippen. Über die ganze Faszination vergaßen wir fast, die mitgebrachten "Decobiere" zu trinken. Manni zündete sich eine Zigarette an und ich öffnete die Flaschen. Der erste Schluck ging natürlich, wie es so sein muss, an Neptun und dann stießen wir an, auf einen ganz außergewöhnlich schönen Tauchgang. Ich denke dies war mit Sicherheit einer meiner Schönsten. Es hat einfach alles gestimmt. Der Abend im Oktober, die Ruhe unter Wasser (wir waren ja nur zu dritt) und zum Schluß das Erlebnis mit diesem Meeresbewohner.

Auch für Manni war dies der erste Hai im Mittelmeer. Nachstehend eine Kopie meines damaligen Logbucheintrages. Als Tauchspot ist noch die Loredan vermerkt. Erst später wurde klar, dass bei der Benennung der beiden Wracks eine Verwechslung vorliegt. Auch Mannis Eintrag bezüglich des ersten Hai im Mittelmeer ist gut zu erkennen.

Gernot Beicht


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